Mission Statement
Die Tätigkeit des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK) konzentriert sich auf zwei zentrale Schwerpunkte:
- Forschung auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik
- Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der strategischen Wissenschaft
Forschung auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik
Auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik ist seit einigen Jahren ein deutlicher Trend zur zunehmenden Diversifizierung sicherheitspolitischer Themen und Fragestellungen zu beobachten. Trotz oder gerade auf Grund dieser Entwicklung hat das ISPK einige zentrale Themenbereiche definiert, auf die sich die Arbeit des Instituts in besonderer Weise konzentriert. Besondere inhaltliche Schwerpunkte bilden in diesem Zusammenhang vier Themengebiete:
Angesichts zunehmender inhaltlicher Differenzen zwischen den transatlantischen Partnern und wiederholten Belastungsproben in den transatlantischen Beziehungen kommt deren objektiver Analyse sowie dem allgemeinen Themenbereich der US-amerikanischen Außen- und Verteidigungspolitik eine besondere Priorität in der Tätigkeit des ISPK zu. Aktueller denn je erscheint die Notwendigkeit, nüchtern und vorurteilsfrei aktuelle Probleme aus diesen Themenbereichen zu analysieren, um das gegenseitige Verständnis zu fördern und auf diese Weise, in erster Linie im Rahmen der NATO, zu einem effektiven gemeinsamen Vorgehen gegen akute und zukünftige Bedrohungsformen gelangen zu können. Das ISPK hat sich zum Ziel gesetzt, an dieser Aufgabe mitzuwirken.
Als eines der wenigen Themengebiete, denen auch nach dem Ende des systemischen Konflikts eine besondere sicherheitspolitische Bedeutung eingeräumt werden muss, gilt die Problematik der Rüstungskontrolle und Nonproliferation. Die kontinuierlich hohe Aktualität dieses Themas zeigt sich deutlich in den Bemühungen zur Entwicklung von Nuklearwaffen, die derzeit in Staaten wie dem Iran oder Nordkorea zu beobachten sind. Zudem wird seine besondere Brisanz in Bedrohungsszenarien deutlich, die eine Verbindung von nuklearen und terroristischen Strategien prognostizieren. Hierbei stellt speziell die Konfrontation mit nicht-staatlichen Akteuren eine neue Herausforderung für Rüstungskontrollmechanismen und Nonproliferationspolitik dar. Entwicklungen dieser Art auf diesem `klassischen´ Feld der Sicherheitspolitik unterstreichen die Notwendigkeit einer kontinuierlich aktualisierten Bedrohungsanalyse, um in der Lage zu sein, auf neuartige oder veränderte Bedrohungen entsprechende Antworten entwickeln zu können.
Spätestens mit den terroristischen Anschlägen vom 11. September 2001 wurde das Phänomen `Terrorismus´ zu einem der zentralen Gegenstände der Sicherheitspolitik. Tägliche Meldungen von erfolgten Anschlägen - hauptsächlich in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens - verdeutlichen regelmäßig die Relevanz dieses Themas für die weltweite sicherheitspolitische Bedrohungsanalyse. Darüber hinaus zeigten nicht zuletzt die Anschläge von Madrid und London, dass auch Europa konkret von der terroristischen Bedrohung betroffen ist. Mit der wachsenden Bedeutung des Themas `Terrorismus´ erhöhte sich auch die Anzahl der Beiträge zu dieser Problematik. Wissenschaftlichen Standards wurden diese allerdings häufig nicht gerecht. Eine auf Fakten und Daten basierende Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist jedoch eine unbedingte Notwendigkeit, um basierend auf einer realistischen Gefahrenanalyse geeignete Politikempfehlungen entwickeln zu können.
Um dem häufig konstatierten Mangel an soliden Informationen Abhilfe zu verschaffen, hat das ISPK das Forschungsprojekt `Jahrbuch internationaler Terrorismus´ initiiert. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts werden täglich Daten zu terroristischen Anschlägen, Gruppen und staatlichen Antiterrormaßnahmen gesammelt. Diese sollen letztlich in Verbindung mit Analysen zu speziellen Fragestellungen der terroristischen Problematik der Öffentlichkeit, in erster Linien aber der Wissenschaft in einem regelmäßig erscheinenden Terrorismus-Jahrbuch zur Verfügung gestellt werden. Hierbei wird der inhaltliche Schwerpunkt des analytischen Teils von Ausgabe zu Ausgabe variieren. Für die Ausgabe 2006 liegt dieser Schwerpunkt im Bereich des islamistisch-fundamentalistischen Terrorismus.
Inhaltlich eng verbunden mit dem Forschungsschwerpunkt `Terrorismus´ ist der Themenbereich `Islam und Demokratie´. Hier liegt der Focus allerdings vielmehr auf zivilen Fragen der Sicherheitspolitik. So beschäftigt sich die unter diese Thematik fallende `Projektgruppe Islam und Politik´ mit Fragen der Integration von Muslimen in europäischen Gesellschaften sowie den Möglichkeiten und Grenzen von Demokratisierung und gewaltfreier Konfliktregelung in den Staaten des Mittleren Ostens. Die Projektgruppe stellt eine Kooperation der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und des ISPK dar. Die Teilnehmer sind Vertreter muslimischer Organisationen in Deutschland, Politiker, Beamte, Journalisten und Experten aus Deutschland sowie Vertreter ausländischer Medien.
Neben diesen bereits bestehenden Schwerpunkten wird anvisiert, den Forschungsbereich der maritimen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu einem weiteren Fokus der ISPK-Analysen zu machen. Als von der Sicherheit der maritimen Versorgungswege abhängiges Land und als führende Industrienation im Bereich des U-Bootbaus besitzt der Aspekt der maritimen Sicherheits- und Verteidigungspolitik für Deutschland eine besondere Priorität. Das in der traditionellen Werft- und Marinestadt Kiel ansässige Institut für Sicherheitspolitik hat sich daher das Ziel gesetzt, Aspekte der maritimen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu einem inhaltlichen Fokus der ISPK-Forschungsarbeit zu machen. Hierbei soll sowohl die nationale, als auch die internationale Ebene berücksichtigt werden, wobei beide Ebenen inhaltlich häufig eng miteinander zusammenhängen. Dies zeigt u.a. das deutsche Engagement im Rahmen der Antiterror-Operation Enduring Freedom am Horn von Afrika. Zugleich verdeutlicht dieses Beispiel, dass sich maritime Sicherheits- und Verteidigungspolitik neben den klassischen sicherheitspolitischen Herausforderungen zunehmend auch mit neuartigen Phänomenen wie dem internationalen Terrorismus, aber auch einer wachsenden Bedrohung der maritimen Versorgungswege durch Piraterie auseinandersetzen muss. Dies ist das anvisierte Ziel der Analysetätigkeit des ISPK auf diesem Themengebiet.
Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Neben der Forschungsarbeit besteht ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der strategischen Wissenschaft. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei der Bereich der Lehre. Zahlreiche Lehrveranstaltungen zu sicherheitspolitischen Themen sowie eine auf sicherheitspolitische Fragestellungen spezialisierte Fachbibliothek stellen in diesem Zusammenhang die geeigneten Rahmenbedingungen dar, um intensive Studien im Bereich der Sicherheitspolitik zu ermöglichen. Darüber hinaus besteht mit der Möglichkeit der gezielten Vergabe von Stipendien der Gesellschaft für Sicherheitspolitik auch ein finanzielles Mittel, das herausragenden Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit bietet, unter optimalen Bedingungen zu sicherheitspolitischen Themen zu promovieren. Die gezielte Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem häufig vernachlässigten Feld der Sicherheitspolitik soll zur Herausbildung eines Kompetenznetzwerkes beitragen, in dem sicherheitspolitische Frage- und Problemstellungen diskutiert und analysiert sowie praxisrelevante Politikempfehlungen entwickelt werden können.
Das Ziel der ISPK-Tätigkeit ist es, durch wissenschaftlich fundierte Politikempfehlungen einen Beitrag zur sicherheitspolitischen Diskussion auf deutscher und internationaler Ebene zu leisten sowie durch das Entwickeln geeigneter Antworten auf die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen Anregungen zur Gestaltung der deutschen Sicherheitspolitik zu geben.
Das Institut wird unterstützt von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und Rüstungskontrolle (Deutsches Strategieforum) und finanziert sich darüber hinaus durch Projektmittel. Es arbeitet eng mit dem Lehrstuhl für Politische Wissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zusammen, dessen Bibliothek inhaltlich in besonderer Weise auf sicherheitspolitische Themen spezialisiert ist.
Das ISPK wurde in den 1980er Jahren von Prof. Dr. Werner Kaltefleiter gegründet. Nachdem Prof. Kaltefleiter im März 1998 verstarb, wurden die Amtsgeschäfte von der bisherigen stellvertretenden Direktorin, Prof. Dr. Ulrike Schumacher, übernommen. Seit Februar 2002 ist Prof. Dr. Joachim Krause neuer Direktor des Instituts. Geschäftsführerin ist seit 2009 Diana Witt, M.A.
