Islam & Politik

Die neue Verfassung des Irak: Aushandlungsprozess und institutionelles Design als Mittel zur Regelung der ethnischen Konflikte?

Mit dem Beginn des Verfassungsprozesses im Irak bot sich im Sommer 2005 dem Land die Möglichkeit, seine politischen Institutionen derart zu gestalten, dass diese den eigenen soziokulturellen und politischen Anforderungen gerecht werden. Mit der Ausarbeitung der neuen Verfassung erhielten die Akteure zugleich die Gelegenheit, einen allgemeinen Konsens über das zukünftige politische System im Irak herbeizuführen. Damit eröffnete sich die einzigartige historische Chance, die gewalttätigen Konflikte im Irak langfristig in politische Bahnen zu lenken. Eine solche institutionelle Konfliktregelung setzt jedoch einen transparenten, konsensorientierten Verfassungsprozess sowie ein den spezifischen Bedingungen angepasstes Verfassungsdesign voraus. Beide Anforderungen wurden bislang nicht erfüllt. Die Ablehnung der Verfassung durch die sunnitischen Araber und gravierende Mängel im institutionellen Design stellen dabei die zentralen Probleme dar. Dennoch fällt die Antwort auf die Frage, ob die historische Chance des verfassungsrechtlichen Neubeginns genutzt werden konnte, zwiespältig aus. Da der Verfassungsprozess noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, erscheint eine institutionelle Konfliktregelung im Irak prinzipiell noch möglich – unter der Prämisse, dass der politische Prozess nicht einem völligen Abgleiten des Landes in einen offenen Bürgerkrieg zum Opfer fällt.

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Tranformationsprozess im Irak - Option für eine Regierung der nationalen Einheit?

Am 15. Dezember 2005 fanden im Irak die ersten Parlamentswahlen seit Verabschiedung der neuen irakischen Verfassung statt. Die Umstände, unter denen die Wahlen abgehalten wurden, gelten insgesamt als vergleichsweise günstig. Während die Sicherheitslage bei den Parlamentswahlen im Januar 2005 mit rund 300 Anschlägen äußerst instabil war, kam es im Dezember zu `nur´ 52 Anschlägen. Auch bei der Wahlbeteiligung war eine deutliche Verbesserung zu verzeichnen. An den Parlamentswahlen im Januar hatten 59 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen. Dieser Anteil stieg bereits beim Referendum über die neue irakische Verfassung im Oktober 2005 auf 63 Prozent. Bei den Dezember-Wahlen lag die Wahlbeteiligung nun bei etwa 70 Prozent. Weiterlesen »

Die irakische Übergangsverfassung: Fallstrick oder Chance für den Demokratisierungsprozess im Irak?

Am 8. März 2004 wurde das `Law of Administration for the State of Iraq for the Transitional Period´ (TAL) durch die `Coalition Provisional Authority´ (CPA) und den `Iraqi Governing Council´ (IGC) einstimmig angenommen. Unter dieser Übergangsverfassung soll der Irak nach der Rückgabe seiner Souveränität am 30. Juni 2004 bis zum Inkrafttreten einer endgültigen Verfassung demokratisch regiert werden. Beobachter schätzen die Chancen auf Durchsetzung einer demokratischen Regierungsform jedoch allgemein auch im Hinblick auf die Verabschiedung einer endgültigen Verfassung, die das TAL im Oktober 2005 ablösen soll, als niedrig ein.

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